Paläon – Forschungs-und Erlebniszentrum Schöninger Speere

Von weither sichtbar ragt das paläon, das neue Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere aus der Landschaft und signalisiert diesen Ort als bedeutende archäologische Fundstelle. Hier am Rande der Stadt Schöningen und des Braunkohletagebaus wurden die ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit entdeckt –  die 300.000 Jahre alten Schöninger Speere, welche in dem von Holzer Kobler Architekturen entworfenen Gebäude in einer Erlebnisausstellung nun eindrucksvoll dem Publikum präsentiert werden.
Die futuristisch anmutende Gebäudeform, eine spiegelnde Außenhaut und großformatige Glaseinschnitte in die Fassade kennzeichnen die Architektur dieses  im Juni 2013 eröffneten Neubaus. Die Fensteröffnungen, ausgerüstet mit einer Sonnenschutzverglasung, inszenieren den Ausblick in die nahe Waldlandschaft sowie zum entfernten Tagebau und zur Fundstelle.

Wie gegeneinander verschobene Erdschichten schiebt sich der dreigeschossige Bau aus der horizontalen Topografie heraus über die flache Wald- und Weidelandschaft. Die expressive Gebäudeform setzt einen scharfkantigen Kontrapunkt inmitten der sanft gewellten Landschaft. Doch die das gesamte Gebäude umhüllende metallische Außenhaut nimmt die Stimmungen und Farben der umgebenden Natur wieder auf und lässt das Gebäude eins mit der Umgebung werden. Die Architekten selbst sprechen von einer „Camouflage, einer hyperrealistischen Abstraktion der Landschaft.“
Die scharfkantigen Fensteröffnungen muten wie Schatten auf dem Gebäude an und unterstreichen die ausdrucksvolle Dynamik der Architektur. Die expressiven Öffnungen schneiden sich in den Baukörper wie Speere in die Haut der Pferde und nehmen deren Dynamik in der Architektursprache auf. Im Innern lenken die Glasöffnungen die Besucher bewusst auf bestimmte Landschaftsbezüge: Zur Fundstelle der Speere, zur Grube des Braunkohleabbaus, zur nahen Waldlandschaft und zu den weidenden Przewalski Pferden.

Spiegelnde Außenhaut
Das paläon ist mit einer reflektierenden Gebäudehaut aus Aluminium – Verbundplatten     (Alucobond NaturAL im Farbton Reflect 405) bekleidet. Die Platten mit einer Stärke von
4 mm bestehen aus zwei Aluminium-Deckblechen mit einem Kunststoffkern und sind fest mit der Unterkonstruktion verklebt. Sie umhüllen das Gebäude vollständig  und werden sowohl für die hinterlüftete Fassade als auch die Untersichten an Versprüngen und außenliegenden Deckenflächen eingesetzt.
Die schräg verlaufenden 1,25 oder 1,00 Meter breiten und 3,00 Meter langen Fassadenplatten sind zu verschieden ausgerichteten Fassadenfeldern zusammengefasst, die das topografische Motiv geschichteter Ebenen auf die Gebäudehülle zu applizieren scheinen. So entsteht ein homogener Baukörper, der sich als spannungsvolles Element in die Landschaft einfügt. Als Besonderheit ist die Unterkonstruktion dem Fassadenbild entsprechend ebenfalls schräg verlaufend aufgebracht. Aufgrund der hier schräg verlaufenden Klebenähte wurde für das Klebesystem von Alucobond eine ZiE erforderlich.
Mit dem wärmegedämmten Pfosten-Riegel-Fassadensystem Schüco FW50 konnte die Fassade gestalterisch souverän realisiert werden, insbesondere weil dieses System große Rasterbreiten und Einbauhöhen zulässt. Eine konstruktive Sonderlösung wurde für die Fassadeneckbereiche gefunden. Hier wurden aus statischen Gründen Doppelflachstahl-Pfosten verbaut.

Glaseinschnitte
Für die Fensterausschnitte wählten die Architekten blaue Sonnenschutzgläser, die mit der metallischen Außenhaut des Gebäudes je nach Lichteinfall einen Kontrast bilden oder mit dieser zu einer Einheit verschmelzen. Letzteres dann, wenn sich Landschaft und Wolken als spannungsvolle Elemente auf dem skulpturalen Baukörper widerspiegeln.

Das  Sonnenschutzglas INFRASTOP® Blau 50/27 weist bei einem Ug-Wert von 1,1 W/m2 K eine geringe Gesamtenergiedurchlässigkeit von nur 28 % auf und ist wesentlicher Teil des Konzeptes für den Sommerlichen Wärmeschutz des Gebäudes. Die Verglasung wurde in Teilbereichen – unter Berücksichtigung der Anforderungen der TRAV – mit einer VSG Außenscheibe und einer 8 mm ESG-H Innenscheibe als absturzsichernde Verglasung ausgeführt. Alle Gläser im paläon sind unterschiedlich groß; sämtliche Gläser sind Modellscheiben, zumeist ohne rechten Winkel. Trapeze, Parallelogramme und diverse Fünfecke sind die vorherrschenden Formen, die der Isolierglashersteller IQ-Glas aus Goslar für den Neubau fertigte. Und viele Scheiben davon produzierte er in „XL-Maßen“, teilweise über 3500 mm x 2500 mm Größe.

Mit dem neuen Forschungs- und Erlebniszentrum haben die Schöninger Speere eine adäquate Heimat erhalten. Spektakulär wie der Fund der Speere selber präsentiert sich der neue Baukörper und setzt sich mit spiegelnder Außenhaut und blau schimmernden Fensteröffnungen markant in Szene.

 

Bautafel:

Bauherr: Stadt Schöningen
Nutzer: paläon GmbH
Architektur: Holzer Kobler Architekturen, Zürich/Berlin in Zusammenarbeit mit pbr AG, Generalplaner, Braunschweig
Landschaftsarchitektur: Topotek 1, Berlin
Fassadenbau: Hübener & Möws Fassadenbautechnik GmbH
Fensterbau: Bolle Bauelemente, Letzingen
Glasbeschichtung: Pilkington Deutschland AG, Gladbeck
Isolierglasfertigung: IQ-Glas, Goslar; Mitglied im Flachglas MarkenKreis

Bilder: Jan Bitter, Berlin

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Für die Fensterausschnitte wählten die Architekten blaue Sonnenschutzgläser, die mit der metallischen Außenhaut des Gebäudes je nach Lichteinfall einen Kontrast bilden oder mit dieser zu einer Einheit verschmelzen.

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Das paläon ist mit einer reflektierenden Gebäudehaut aus Aluminium – Verbundplatten und einer Sonnenschutzverglasung bekleidet.

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Für die Fensterausschnitte wählten die Architekten blaue Sonnenschutzgläser, die mit der metallischen Außenhaut je nach Lichteinfall einen Kontrast bilden oder mit dieser zu einer Einheit verschmelzen.

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Wie gegeneinander verschobene Erdschichten schiebt sich der dreigeschossige Bau aus der horizontalen Topografie heraus.