Post Tower, Bonn

Eine Superlative aus Glas.

Mit 162,5 Metern ist der Post Tower das derzeit größte Gebäude in NRW, zugleich das wahrscheinlich transparenteste Gebäude der Welt. Das von Helmut Jahn entworfene und bis ins Detail von ihm durchgestaltete Objekt setzt neue Maßstäbe in punkto Design, Funktionalität und innovativer Gebäudetechnik. Zugleich ist der Post Tower eine Referenz an die funktionale und ästhetische Leistungsfähigkeit moderner Glastechnik in Verbindung mit minimierten konstruktiven Elementen.

Um die architektonische Einzigartigkeit des Post Towers zu erfassen, muss man diesen Doppelturm unbedingt begehen. Oder besser noch „beschweben“, denn dieser Eindruck stellt sich ein angesichts der lichten, offenen Atmosphäre, die sämtliche Nutzungsbereiche kennzeichnet. Rund 93.000 m² Weißglas in den verschiedensten Anwendungen, ob in Trennwänden, Schiebetüren, Aufzügen oder als begehbare Böden, Glastreppen, Überkopf-Verglasungen sowie Brandschutzverglasungen lassen das Gebäude zu einem atemberaubenden Raumerlebnis werden.

Einen bautechnischen Superlativ stellt dabei die zweischalige Hülle der beiden Halbtürme dar. Sie besteht aus einer geschosshohen Elementfassade, der Primärfassade, die die Büroetagen nach außen abschließt, sowie einer Außenschale (Sekundärfassade), die vor Wind, Regen und Lärm schützt und über Steuerklappen ganzjährig eine Belüftung ermöglicht. Klimatechnisch bedingt variieren die Außenansichten von Nord- und Südfassade. Die Elemente im Norden wurden durchgehend vertikal arrangiert, während die Elemente im Süden aus Gründen der besseren Luftdurchströmung in einer nach außen geneigten Struktur montiert wurde. So kann Strömungsluft über die Thermik von unten durch die Belüftungsklappen gelangen. Zwischen den beiden Hüllen ist der Sonnenschutz integriert, der unabhängig von den Windverhältnissen reguliert werden kann. Ihre Filigranität verdankt die Fassade den Planungen des Ingenieurbüros Werner Sobek, dem es gelang, die konstruktiven Elemente auf ein Minimum zu reduzieren. Damit die aus Edelstahlprofilen bestehende Konstruktion möglichst flexibel ist und zugleich den Windlasten standhält, ist sie mit Edelstahl-Zug-Druckstäben, so genannten Windnadeln, gegen die Innenfassade abgestützt. Gelenkverbindungen sichern die Beweglichkeit. Zur Minderung störender Windgeräusche wurde die Sekundärfassade als über den Baukörper auskragende „Wingwall“ an zwei Seiten um jeweils drei Fassadenachsen verlängert.

Bemerkenswert ist die Vielfalt an Funktionsglasanwendungen im Post Tower, die auf Wunsch des Architekten alle aus eisenoxidarmem Weißglas hergestellt wurden. Allein für die Primärfassade wurden 40.000 m² eines Wärmeisolierglases aus Weißglas mit Optitherm Beschichtung und raumseitigem VSG Verbund eingesetzt. Ingesamt wurden aus den hochwertigen Basisgläsern von Pilkington bis zu 50 unterschiedliche Typen von Funktionsgläsern je nach Anforderung an Sicherheit, Brandschutz, Schallschutz sowie Komfort und Design für die verschiedensten Anwendungsbereiche hergestellt.

 

 

Objekt – Daten

Grundriss eines Regelgeschosses

6-32

Querschnitt Ost-West mit Sockelgebäude

7-32

 

Klimatische Funktion der Doppelfassade

8-32

 

Bauherr:
_ Deutsche Post Bauen GmbH, Bonn

Architekten:
_ Murphy/Jahn Architects, Chicago/Bonn

Projektleitung:
_ Steven Cook/Andreas Hell

Klimakonzeption/Tragwerksplanung:
_ Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart
_ Werner Sobek Ingenieure GmbH & Co. KG, Stuttgart

Glasproduzent:
_ Pilkington Deutschland AG, Essen

Verarbeiter/Metallbauer:
_ Josef Gartner GmbH, Gundelfingen
_ ARGE Götz/Permasteelisa, Ludwigsburg

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Die doppelseitige Lobby präsentiert sich Angestellten und Besuchern als lichtdurchfluteter Empfangsraum.

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Nicht nur die Seitenansicht des Post Towers mit Blick auf eine der auskragenden Wingwalls ist beeindruckend. Beim Betreten des Gebäudes empfängt ein imposantes Foyer mit transparent eingebauten Aufzügen den Besucher.

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Neun Etagen umfassen die Skygärten. Über sie wird reichlich Tageslicht in die innenliegenden Büroräume geführt.

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162,5 Meter hohe Postpräsenz: Der Post Tower ist das derzeit größte Gebäude in Nordrhein-Westfalen.